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Artikel / Für Tamedia - 23.05.2024

Bildung ohne Grenzen

Eine neue Kultur entdecken, die Sprachkenntnisse vertiefen und die eigenen Kompetenzen stärken: Als Sprachassistent*innen erhalten angehende Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, sich in der Ferne weiterzuentwickeln – sowohl beruflich als auch persönlich.

Julia Sabbatini entdeckte als Sprachassistentin in Valenciennes ihre Leidenschaft für das immersive Unterrichten.
Julia Sabbatini entdeckte als Sprachassistentin in Valenciennes ihre Leidenschaft für das immersive Unterrichten.

Als Julia Sabbatini vor vier Jahren die Entscheidung traf, als Sprachassistentin nach Frankreich zu reisen, hätte sie nicht gedacht, dass diese Erfahrung sie und ihren Lebensweg so nachhaltig prägen würde. Den Entschluss, ins Ausland zu gehen, fasste sie unmittelbar nach ihrem Studium an der Pädagogischen Hochschule FHNW in Brugg: «Ich hatte grosses Interesse daran, ein mir unbekanntes Bildungssystem, andere Methoden und Ansätze kennenzulernen», sagt die 27-jährige. Im Rahmen des Sprachassistenzprogramms von Movetia, der Nationalen Agentur für Austausch und Mobilität, konnte sie ihren Traum verwirklichen. Während sechs Monaten unterrichtete sie im Norden Frankreichs Kinder im Alter von drei bis 12 Jahren. «Durch immersiven Unterricht ermöglichte ich den Schülerinnen und Schülern einen neuen Zugang zur deutschen Sprache», erzählt Julia Sabbatini und fügt an: «Schulfächer wie Gestalten oder Sport werden dabei in der Fremdsprache unterrichtet und die Sprache ist somit nicht primär Lerngegenstand, sondern ein Mittel zur Verständigung.» Sie habe mit den Kindern auch viel über Traditionen, die politische Situation und die Kultur in der Schweiz gesprochen – natürlich immer auf Deutsch. «Es war beeindruckend zu beobachten, wie schnell die Kinder innerhalb der kurzen Zeit ihre Sprachkenntnisse weiterentwickelt haben.»

Zukunftsweisender Frankreichaufenthalt

Während ihrer Zeit in Frankreich sammelte Julia Sabbatini nicht nur wertvolle didaktische Erfahrungen, sondern verbesserte auch ihre eigenen Französischkenntnisse und lernte das Land kennen: «Als Sprachassistentin hatte ich eine Wochenarbeitszeit von 12 Stunden, was es mir ermöglichte, Ausflüge zu unternehmen und die Region zu erkunden», erzählt die Lehrerin. Während ihrem Aufenthalt habe sie zudem an Selbstvertrauen gewonnen und gemerkt, dass ihr der immersive Unterricht liegt. Aufgrund ihrer Erfahrung hat sich Julia Sabbatini nach ihrem Austausch an verschiedenen Westschweizer Schulen beworben. Seit 2021 unterrichtet sie im Kanton Neuenburg ihre Schulfächer auf Deutsch. «Das Austauschprogramm war für mich und meine berufliche Zukunft wegweisend», sagt sie. Movetia vermittelt im Sprachassistenzprogramm Assistenzstellen an Schulen im Ausland und bietet Unterstützung bei der Vorbereitung des Aufenthalts. Dafür kooperiert Movetia mit Partnerorganisationen im Ausland sowie mit educationsuisse, der Dachorganisation der Schweizerschulen im Ausland. Um die administrativen Angelegenheiten und die Suche nach einer geeigneten Unterkunft kümmern sich die Teilnehmenden jeweils selbst. Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer erhalten einen Lohn, welcher je nach Gastland oder Region variiert. Darüber hinaus bezahlt Movetia den Teilnehmenden Fördergelder.

Von Klassentausch bis Praktikum

Als nationale Agentur unterstützt Movetia den Austausch in verschiedenen Bildungsbereichen, sowohl im In- als auch im Ausland. So können unterschiedliche Zielgruppen profitieren. Ein Ziel von Movetia ist es, dass bereits für Jugendliche ein Austausch selbstverständlich zur Ausbildung dazugehört. In den letzten Jahren wurden beim Klassenaustausch innerhalb der Schweiz neue Angebote geschaffen und heute profitieren mit 18'000 doppelt so viele Schülerinnen und Schüler wie vor sechs Jahren von einem Austausch. Ob ein Praktikum oder ein Auslandssemester: Auch immer mehr Studierende nutzen im Rahmen des Studiums, der Hochschulbildung oder der höheren Berufsbildung die unterschiedlichen Möglichkeiten. Diese Angebote werden gemäss Stéfanie Brändly von Movetia von Studierenden aus allen Bereichen und Studienrichtungen wahrgenommen, so etwa von zukünftigen Pflegefachpersonen, Hoteliers, Medizinstudent*innen bis zu zukünftigen ETH-Diplomierten. Für sie alle ist ein Austausch eine gute Möglichkeit, die fachlichen, persönlichen und interkulturellen Kompetenzen zu stärken, ist sich Stéfanie Brändly sicher: «Man kann dadurch einen neuen Lebensalltag erleben, fachliche und interkulturelle Kompetenzen erwerben, Vorlesungen besuchen, die einen anderen Fokus haben und zudem ein internationales Netzwerk aufbauen.»